Digital Sakral – parametrisches Entwerfen sakraler Räume

3D-printed vault model with twisted columns in front of presentation boards

Sakrale Räume, parametrisch entworfen

Im Master-Wahlmodul Digital Sakral an der MSA Münster School of Architecture haben Studierende erforscht, wie sich sakrale Räume mit digitalen Werkzeugen gestalten und neu interpretieren lassen. Ausgehend von historischen und zeitgenössischen Beispielen entwickelten sie eigene Konzepte – unterstützt durch parametrische Modellierung und computergestützte Entwurfsprozesse.

Digitale Werkzeuge waren dabei kein Selbstzweck, sondern Mittel zur räumlichen Wirkung: atmosphärisch, strukturell und typologisch. Der Kurs führte von der ersten Idee bis zu physischen Modellen aus digitalen Fertigungsverfahren wie dem 3D-Druck.

3D-printed vault model with twisted columns in front of presentation boards

Zum Kurs

  • Wahlmodul ma.wm.1, Master, Wintersemester 2025/26
  • Lehrender: Moritz Wesseler M.A.
  • Werkzeuge: Rhino, Grasshopper und die digitalen Fertigungssysteme im robotics.lab der FH Münster

Projekte der Endpräsentation

Im Dezember 2025 stellten die Teams ihre Entwürfe vor – von Pavillons im Venner Moor bis zu einer Gedenkstätte in einer ehemaligen Gefängniskapelle.

digi.imprint · Lichtpfad · captivi · Moormentum · Nestframe · FLOA · Sakraler Bogen · Under the Light · Äolsharfe

digi.imprint – Niko Kneffel & Phil Niemeyer

„Der digitale Abdruck einer zeitlosen Tradition“: Ausgehend von einem archaischen Kern führt der Entwurf über Modularität und die Trennung von Struktur und Hülle zu einem porösen, sinusbasierten Gewölbe – eine zeitgemäße Interpretation des sakralen Säulengangs.

Lichtpfad – Jan Melzer & Luis Friederici

Ein sakraler Lichtpfad als Tunnel im Venner Moor. Die Oberfläche folgt der Analogie der Baumrinde; die Segmente werden in CNC-gefrästen Formen gegossen und zum Bogen gestapelt.

captivi – Ksenia Schullert & Roman Chagin

Eine Gedenkstätte in der ehemaligen Gefängniskapelle Ulmer Höh in Düsseldorf. Die begehbare Skulptur ist an eine Gefängniszelle angelehnt und macht Gefangenschaft körperlich erfahrbar. Ihre dreieckigen Module tragen eine Fadenstruktur, die von einem Roboterarm gewebt wird.

Moormentum – Marlen Krämer & Laura Santoro

Ein 32 Meter langer Pavillon, eingebettet in die Torfschichten des Venner Moors – ein Ort der stillen Kommunikation, der sich in einer sanften Welle bis auf 3,6 Meter erhebt. Die Keramikelemente sind für den 3D-Druck im Binder-Jetting-Verfahren entworfen und werden vor Ort gestapelt.

Nestframe – Vincent Höltmann & Simeon Erling

Nicht jedes sakrale Objekt richtet sich an den Menschen. Nestframe ist ein Schutzraum für die Bekassine, die im Moor am Boden brütet: Die Öffnungen sind groß genug für den Vogel und zu klein für Fressfeinde.

FLOA – Manuel Diek & Fabian Øverjordet

Ein heller Körper aus Stoff, gespannt zwischen vier Punkten, schwebt knapp über dem Moor. Darunter sammelt sich Licht – ein Moment der Stille zwischen Ankommen und Weitergehen.

Sakraler Bogen – Luca Minnebusch & Tim Hoebink

Ein freistehender sakraler Bogen im Venner Moor, der die Landschaft rahmt und zum Innehalten einlädt.

Sakraler Bogen: white arch on a gravel platform in the Venner Moor (rendering)

Under the Light

Eine Überdachung für die ägyptische Wüste: Das wellenförmige, perforierte Dach ist von einer Gardine im Wind und von Maschrabiyya-Gittern inspiriert. Die modularen Teile – Schirm, zentrale Stütze und Sitzbank – sind für die additive Fertigung entworfen und über ein Stecksystem verbunden.

Äolsharfe – Christian Brunnert & Fabio Koczula

Ein Windinstrument, gedruckt aus recyceltem PETG mit dem KUKA KR120 und dem Extruder Weber DXR25: Resonanzkörper, schmaler Hals und Klangtrichter formen die Luftsäule, Nylonsaiten werden vom Wind in Schwingung versetzt.

Aeolian Harp: mood board with a wind sculpture in five landscapes
Moodboard: das Instrument in verschiedenen Landschaften.

Weitere Eindrücke

Alle Projekte wurden von den Studierenden des Kurses entworfen und gebaut. Danke an alle Teilnehmenden für ihr Engagement und die starke Endpräsentation.

Parametrisches Entwerfen in Lehre und Praxis

Die Methoden aus dem Kurs – parametrische Modellierung, regelbasierte Geometrie und direkte Datenübergabe an die Maschine – sind dieselben, die wir in Projekten für Ladenbau, Innenausbau und Fertigung einsetzen.